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Human Capital und Depressionen – oder wie richtige ich meinen Betrieb zu Grunde

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Human Capital und Depressionen – oder wie richtige ich meinen Betrieb zu Grunde

Ich habe in den letzten Tagen wieder vermehrt Berichte über die steigende Rate von Depressionen in unserer Gesellschaft gelesen. Nach aktuellen Zahlen sind die Fehlzeiten in den Betrieben aufgrund von Depressionen im Zeitraum 2000-2013 um 70% gestiegen. Mit einem weiteren Anstieg ist laut TK Chef Jens Baas in den nächsten Jahren zu rechnen.

Woher kommt dieser rasante Anstieg?

Um der Frage nachzugehen vergleiche ich einmal die Arbeitsbedingungen der 80’er Jahre mit Heute:

In den 80’ern gab es sehr viele mittelständische Unternehmen, die Inhaber geführt waren. Dort wurden Mitarbeiter geschätzt. Es wurde auch mal gelobt und über Fehler wurde gesprochen, wie sie in Zukunft vermieden werden können. Dazu gab es selten größere Überstunden und wenn konnten sie ab gefeiert werden oder wurden ausbezahlt. Mitarbeiter wurden gepflegt, sie wurden weitergebildet und die Firma tat alles um sie zu halten. Es war nicht selten, dass Leute 30,40 oder gar 50 Jahre am selben Arbeitsplatz waren.

Wie sieht es heute aus?

Heute spricht man nicht mehr von Mitarbeitern sondern von Human Capital oder sogar schlimmer von Human Resources. Viele Firmen sind von Investoren aufgekauft worden und es wird auf Gewinnmaximierung gedrängt. D.h. es werden Stellen abgebaut obwohl die Arbeit nicht weniger sondern vielfach noch mehr wird. Diese darf dann von den restlichen Mitarbeitern in Form von Überstunden übernommen werden. Vielfach werden diese weder abgerechnet noch bezahlt, da selbst in größeren Firmen aus Angst um den Arbeitsplatz kein Betriebsrat existiert. Mitarbeiter werden nicht mehr gelobt, gute Arbeit ist selbstverständlich geworden, sondern bei kleinsten Fehlern sogar vor den Kollegen „zusammengeschissen“. In manchen Firmen reicht es sogar schon aus etwas vermeintlich Negatives gegen den Baustil des Gebäudes zu sagen oder wegen eines größeren Staus verspätet zu einer Besprechung zu kommen, um fristlos gefeuert zu werden. Lieber nehmen diese Damen und Herren Geschäftsführer es in Kauf Abfindungen zu zahlen wenn einer den Mut zur Klage hat, wohl wissend, dass andere Mitarbeiter dann noch besser kuschen, weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz haben.

Der Mensch lernt ständig und passt sich ständig seiner Umgebung an. Wenn er nun nur ständig mitgeteilt bekommt, dass er nichts taugt und jederzeit ersetzbar ist- dazu vielleicht auch noch das Arbeitsmaterial (Stühle, Schreibtische, etc) uralt und eigentlich schrottreif ist – stellt sich anfangs Frust ein. Wird diese Art der Mitarbeiterführung nun fortgesetzt wird der Mitarbeiter irgendwann die Meinung seiner Chefs zu seiner eigenen machen und sich selbst als unbrauchbar ansehen.

Eine Depression ist entstanden.

Wird nun weiterhin Druck aufgebaut und dieser Mensch erhält keine Hilfe, weil Psychiater und Therapeuten inzwischen überlastet sind, wissen sich viele nicht mehr anders zu helfen als Selbstmord zu begehen. Ich erinnere nur an die Selbstmordwelle von Managern bei Renault in den vergangenen Jahren. Ist der Frust nun sehr groß und der Mitarbeiter kündigt um dem Druck zu entgehen oder ist der Mensch durch Depressionen dauerhaft arbeitsunfähig geht dem Betrieb wichtiges Know How verloren, dass dann mühselig wieder erworben werden muss.

Ein weiterer Auslöser für Depressionen sind die Vorstellungen mancher Personal- und Abteilungchefs vom neuen Mitarbeiter, unabhängig davon, ob dieser freiberuflich oder festangestellt ist:

Da werden Projekte lieber unbesetzt gelassen weil man einem Informatiker mit jahrzehntelanger Berufserfahrung nicht zutraut sich in eine neue Programmiersprache, mit der er bisher nur 3 von seinen 30 Jahren Berufserfahrung gearbeitet hat, einzuarbeiten. Da werden Mitarbeiter gezwungen vor Ort und somit oftmals weit weg von der Familie zu arbeiten obwohl technisch ein remote Arbeitsplatz absolut möglich wäre und auch keine sonstigen betrieblichen Dinge dagegen sprechen. Dazu werden dann noch die Preise gedrückt – im IT Bereich liegen die Stundensätze für Freiberufler unter denen von 1999. So werden für manche Projekte Stundensätze von 45 Euro inklusive Reisekosten, Übernachtung und Spesen angeboten. Rechnet man nun Hotel und Reisekosten, den Arbeitgeberanteil und sonstige notwendige Betriebsausgaben (z.B.Versicherungen) ab, arbeiten manchen Freiberufler für einen Stundensatz von 15 Euro Brutto, müssen davon aber noch ihre Ausfallzeiten durch Urlaub, Krankheit und Projektsuche kompensieren und Geld für das Alter zurücklegen. Diese Überlebensangst zerrt ständig an den Nerven und es ergibt sich die bereits oben erwähnte Spirale in die Depression. Gleichzeitig wird dann noch von den Firmen gemeldet,dass man dringend Ausländer – bevorzugt aus den preisgünstigen Regionen – als Fachkraft bräuchte, da ein Fachkräftemangel bestehe (Anmerkung : an Personen die immer kuschen, für einen Appel und ein Ei arbeiten, ihre Familie und ihre Gesundheit dafür vernachlässigen und in genau dem benötigten Bereich exzellentes Know How haben)

Fazit:

Wer nicht nur kurzfristig an Gewinnmaximierung denkt sondern an eine gute Zukunft wird von obigem verhalten Abstand nehmen. Es ist wirtschaftlich gesehen für alle besser ein geringeres Wachstum mit mehr Nachhaltigkeit zu erzielen als ein kurzes schnelles Wachstum. Es gibt genügend Beispiele, wo so ein Verhalten zur Insolvenz führte.

Mitarbeiter brauchen ab und zu eine Motivation. Das muss nicht eine Sonderzahlung sein. Ein ehrlich gemeintes Lob vom Chef für eine gute Leistung ist allemal besser. Bei Fehlern bringt es allen mehr, wenn man keinen Schuldigen sucht um ihn dann „hinzuhängen“ sondern gemeinsam nach dem Grund für den Fehler zu suchen und diesen dann abzustellen. Vielfach ist z.B. Überlastung am Arbeitsplatz so ein Grund. Weiterhin sollte man von seiner Überheblichkeit Abschied nehmen und wohlgemeinte Ratschläge der Mitarbeiter für Verbesserungen der Arbeitsplatzsituation annehmen. Und nicht zuletzt : sorgt für gutes Arbeitsmaterial und gebt den Leuten eine Chance zu zeigen was in Ihnen steckt. Ein Informatiker mit 30 Jahren Berufserfahrung und einigen angewendeten Programmiersprachen kann sich auch in eine neue Sprache einarbeiten. Das Know aus den 30 Jahren Beruf ist mehr wert als ein beschränktes know How auf eine ganz bestimmte Sprache.

Ich stehe gern Einzelpersonen und Firmen und deren Mitarbeitern für Beratungen zur Verfügung. Sprechen Sie mich an.

PS.: Alle oben genannten Fälle habe ich selbst erlebt. Es gibt Konzerne, da saßen die Mitarbeiter auf alten schrottreifen Stühlen, die schon mindestens 30 Jahre alt waren. Ich habe einen Betrieb mit 3000 Mitarbeitern kennen gelernt, wo es keinen Betriebsrat gibt und Verträge fristlos gekündigt wurden, weil die Person morgens wegen eines großen Staus 20 Minuten zu spät zur Besprechung war (selbstverständlich wurde diese Verspätung rechtzeitig vorher angekündigt) oder eine Person das Tragskelett der Halle mit einem Zirkuszelt verglichen hatte. Ich habe Betriebe kennen gelernt, da wurde jemand gekündigt, weil er einen Tag mehr Urlaub genommen hat, ungeachtet der Tatsache, dass er in 3 Jahren fast ein ganzes Jahr an Überstunden angesammelt hatte, die natürlich weder ab gefeiert noch bezahlt wurden. Ich habe Projekte kennen gelernt, da wurden Mitarbeiter abgelehnt, weil sie zwar 12 Jahre Erfahrung mit Delphi (einer Programmiersprache) hatten, jedoch nur 3 Monate in der neuesten Version. Und ich habe Mitarbeiter kennen gelernt, da wurde der Teamleiter vor seinen Mitarbeitern vom Abteilungsleiter total runter geputzt für Dinge, die nicht in seinem Verantwortungsbereich lagen.

 

2017-02-19T17:29:55+00:00

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